i feel like a 6/10

„Warum… liegst du da so?“
„Hwlichso besser denken kann.“, stoße ich aus. Ich atme wieder ein. Die Couch riecht staubig, und nach zugemülltem Papier. Außerdem riecht es nach Hund. Hund mit schlechten Zähnen, um genau zu sein.
Mit geschlossenen Augen atme ich noch ein paar Mal mehr ein, bevor ich mich wieder nach oben hieve und den Laptop anstarre. Gut gehen lassen, alles schön und gut. Aber wie? Mein Körper fühlt nicht, und wenn, dann nur in Schüben. Mein Arm pocht von dem Resultat einer trauma-induzierten Panikattacke die wiederum durch eine Streamerin ausgelöst wurde welche mich munter gaslightete.
Also wieder in die Stille Ecke im Internet, ganz besonders auf Twitch zurück. Keine Kommentare im Chat, schon gar keine die eine andere Meinung gegenüber der Streamer:innen beinhalten.
Nun. Im Grunde habe ich mein Ziel erreicht. Ich fühle mich wieder wie damals. Nur, dass ich diesmal nicht dissoziiere und bemerke, wie scheiße sich das eigentlich anfühlt. Ich sehne mich nach einem langen Spaziergang im Wald und wiege ab, ob ich mich das schon alleine wage oder nicht. Es reicht schon, dass ich gestern eine Belastung für meinen Sozialkreis war. Mir wird schwummrig, wenn ich danach denke und ich entscheide mich, Coldmirror im Hintergrund anzumachen. Damit ich etwas habe, woran ich mich festhalten kann.

Dienstags sitze ich auf der Weide, an einen Baum gelehnt, und schäle Stück für Stück die Rinde von einem Zweig, während mir die Worte aus dem Mund herauspurzeln und meine Therapeutin mir geduldig zuhört. Was ich erzähle, interessiert die Pferde reichlich wenig, aber es tut gut, es endlich von der Brust zu haben. Ich kann wieder atmen, wenn auch nur für einen kurzen Moment.
„Ich will loslassen. Dieses ganze beschissene Zeug in der Vergangenheit, weil ich weiß, dass ich jetzt eine Familie habe. Dieses System ist alles, was mir wichtig ist. Und ich kann nicht mit mir vereinbaren, dass ich dem Körper irgendwie schade, indem ich einfach nur dem Wunsch nachgehe, wieder so wie früher zu werden und meine Verantwortung abzulegen.“
Es folgt eine lange Stille.
„Ich denke, du solltest dort stehen bleiben wo du gerade bist. Du solltest nicht loslassen.“
„Ist das nicht das genaue Gegenteil von dem, was das Ziel der Therapie ist?“
„Nein. Das Ziel der Therapie ist, dir zu helfen. Und dich dort abzuholen, wo du stehst. Und gerade stehst du an einem Wendepunkt, einer Weggabelung. Und du hast noch nicht genügend Mut, den Weg einzuschlagen, den du einschlagen möchtest. Also bleib dort stehen. Es ist okay. Rückfälle sind okay, vergessen zu frühstücken ist okay, Mahlzeiten mit Kaffee zu ersetzen ist okay. Weil du noch nicht den Mut hast, und wenn du nun auf Biegen und Brechen den erwünschten Weg einschlägst, wirft es dich beim kleinsten Wackeln sofort ganz in das Früher zurück, dem du gerade versuchst zu entkommen. Und das möchte ich ungern verantworten.“
Ich schweige. Lange. Und schäle weiter den Zweig. Zwei drittel sind bereits nackt.
„Was wünscht sich der Teil, der zurück möchte?“
„Sicherheit.“, sage ich mit rauer Stimme und unterdrücke einen spontanen Wein-Anfall. Ich weine nicht. Das ist nunmal einfach so. Lasse weint nicht. Basta. „Ich gebe so viel Sicherheit. So. Viel. Ich gebe dem System Sicherheit, ich passe hinten auf – und da ist gerade so unendlich viel los. Nebenbei bin ich noch Dom zu einer Sub, der ich immer Sicherheit gebe. Denn als Dom verpflichte ich mich einfach dazu. Auch Aftercare beispielsweise ist bei mir Pflicht. Ich gebe Lake Sicherheit, indem ich einspringe, falls was ist. Ich gebe so viel, aber ich kann nicht mehr. Deswegen kann ich dem Teil von mir, der Sicherheit braucht, diese nicht geben.“
„Woher auch. Da ist nichts mehr, Lasse. Du kannst nichts mehr geben.“
Ich zucke zusammen, als sie mich mit meinem Namen anspricht. Das tut sie selten. Ich verschweige, das sich auch nicht nehmen kann. Stattdessen erhebe ich mich seufzend, und verabschiede mich von den Pferden. Der Zweig liegt dort am Baum, komplett nackt geschält.
„Versuch, eine Pause zu machen. Bitte.“
„Ich versuchs.“
Keine drei Stunden später verletze ich mich selbst in einer dissoziativen Panikattacke.

Ironisch.
Als habe ich es gespürt, habe ich mich am Montag krank gemeldet. Erkältung, ich mache vorsichtshalber lieber einen Test. Heute schaffe ich es ebenfalls nicht zum Job, und versuche den Selbsthass auf Abstand zu halten. Stattdessen Besuch des Muttertiers, Pfand wegbringen und sehr viel Kaffee. Ich weiß nicht, wie Selbstfürsorge geht.
Ich weiß es nicht.
Es tut mir leid.

gotta get it in my head | i’ll never be sixteen again

„Ich habe mich dazu entschieden, heute meinen alten ES-Blog durchzulesen.“
„Äh. Wieso?“
Erwartete Reaktion, und vollkommen verständlich. Ich sehne mich nach weiteren zehn Litern Kaffee und rolle meine Antwort mehrfach im Kopf durch, bevor ich sie verbalisiere.
„Weil ich mich im Grunde daran erinnern muss, wie schnell alles aus dem Ruder gelaufen ist. Innerhalb von 3 kurzen Monaten war ich in einem Total-Rückfall und kam da nicht mehr raus. Es schreckt ab, das zu lesen.“
Weil mein Hirn danach schreit. Wieder dort hin zu gehen, oder einfach mal mehrfach das Frühstück zu vergessen. Vielleicht auch gleich gegen schwarzen Kaffee zu ersetzen. Einfach mal wieder auf die Waage steigen, jeden Tag (die muss ich übrigens auch noch loswerden, auch wenn Herr Hase dann randalieren wird). Weil mein Hirn sich die Zeit damals mit einer rosaroten Brille beschaut, und sehnsüchtig seufzt. Deshalb, und nur deshalb, ist mein „geheimer“ ES-Blog überhaupt noch online (und eventuell weil ich sowohl Email-Adresse als auch Passwort dazu vergessen habe).

Es zieht in meinem Brustkorb, und ich weiß, dass es sich dabei um Vermissen handelt. Es stellt sich mir die Frage, warum ausgerechnet nach der Essstörung. Gleichzeitig kann ich mir die Frage sofort selbst beantworten, traue mich aber nicht, es zuzugeben. Denn dann würde die Magie verloren gehen, die Hoffnung, durch einen Rückfall vielleicht doch wieder das Gefühl der Sicherheit zurückzubekommen, die unmittelbar daran gekoppelt war, noch keine „Erwachsenen-Entscheidungen“ treffen zu müssen.
Wenn ich dürr und krank bin, kann keiner von mir erwarten arbeiten zu gehen und Staub zu saugen. Es kann dann auch keiner von mir erwarten, jeden Tag seriös und sortiert zu erscheinen. Denn dann bin ich krank, und man sieht es, und schreckt davor zurück, mich auch noch weiter zu überfordern. Offensichtlich kann ich ja nicht einmal meine Grundversorgung einhalten, wie soll ich dann noch erwachsen sein.
Dass sich das ganze so nicht gestaltet, weiß ich im Grunde meines Herzens (und meines DBT-Hirns) auch. Aber es erscheint so. verdammt. verlockend.

Sich nicht kümmern müssen. Nicht einmal so sehr wie alle anderen existieren zu müssen.

Aber da ich sowohl meiner Therapeutin als auch mir versprochen habe, es nicht mehr so weit kommen zu lassen, versuche ich mich heute über Wasser zu halten. Die ersten paar Tage sind die schlimmsten, sobald der Wunsch eines Rückfalls bereits längere Zeit besteht, kann ich wieder besser damit umgehen. Die erste Welle ist immer die schwierigste, nach einer Weile hat man das Surfen dann drauf.
Ich versuche mich abzulenken, indem ich mit dem Hund gehe und auf dem Uni-Campus sitzen bleibe. Neben mir sitzt etwas Kleines, das unablässlich plappert, und gleichzeitig jammert es habe keine Energie.
Ich wünschte ich hätte mal diesen Level an „keine Energie“.
Da ich jedenfalls nicht einfach die Zeit zurückdrehen, und in meinem alten Kinderzimmer mit dem mit Edding bekritzelten Wänden sitzen kann, mit knurrendem Magen und einem Haufen Schulaufgaben die ich getrost ignorieren kann, weil ich den nächsten Schultag eh schwänze… da ich das leider nicht mehr zurückholen kann, bleibt mir nur vorwärts. Einfach weitermachen, irgendwie. Die Müdigkeit mit Milchkaffee bekämpfen, To Do Listen zur Orientierung schreiben und die Zähne aufeinanderbeißen. Also mache ich den Spül, werfe die mittlerweile komplett vom Schimmel befallene kleine Schüssel gleich ganz weg, schreibe halbherzig meine Uni-Hausaufgaben und feile daran, bis ich zufrieden bin, damit ich nicht hochkant aus dem Kurs fliege, weil ich schon wieder keine Aufgaben eingereicht habe. Und am Ende des Tages werde ich immernoch Vermissen und ich werde immernoch zurückwollen, aber ich kann mit dem Wissen einschlafen, dass ich irgendetwas geschafft habe, die Küche nicht mehr hoffnungslos vor sich hin schimmelt und ich einen weiteren Tag in meinem Kurs bleiben darf.

Es muss irgendwie weitergehen. Ich kann die Vergangenheit nunmal nicht mehr zurückbringen.

Am I the only one
Wishing life away?
Never caught up in the moment
Busy begging the past to stay
Memories painted with much brighter ink
They tell me I loved, teach me how to think


I’m sick of faking diary entries
Got to get it in my head I’ll never be sixteen again
I’m waiting to live, still waiting to love
Oh, it’ll be over, and I’ll still be asking when
Oh, it’ll be over, and I’ll still be asking when

03.06.21

Es wird heißer und heißer. Wobei ich im Moment vor der offenen Balkontür meiner Nachbarin sitze und den Geruch nach einem spontanen Regengewitter genieße. Eigentlich wollte ich auch meine Uni Hausaufgaben endlich einmal anfangen, aber stattdessen lasse ich mich lieber durch den Sog des Internets ablenken. Jetzt gerade läuft in einem anderen Tab ein Video das zeigt, wie jemand aus Brot ein Messer macht. Yo.

Gestern gabs die erste Impfdosis für mich, und ich bin unglaublich dankbar. Ich wurde ja durch Schwerbehinderung glücklicherweise ein wenig vorgezogen, was mir einiges erleichtert. Alleine das Wissen, dass ich nun mit der ersten Impfung durch bin, beruhigt meine Angst und meine Zwänge deutlich.
Leider gabs dazu auch gleich einen Pain Flare-Up heute morgen. Ich hab meine Ellbogen noch nie so sehr gespürt. Bedeutet, ich werde es heute wohl gezwungenermaßen ruhig angehen lassen und hoffen, dass Ibu und CBD gemischt ein wenig mit den Muskel-, Glieder-, und Kopfschmerzen helfen. Chronische Schmerzkrankheiten for the win. Nichtsdestotrotz nehme ich das gerne mehr als zwanzig Mal in Kauf, wenn das bedeutet dass ich – und somit sind es auch die Leute aus meinem direkten Umfeld – bald deutlich gegen Corona geschützt bin. Außerdem war der Impf-Arzt super heiß. Werde wohl noch einige Wochen von ihm träumen. Hoffentlich sieht man sich bei der zweiten Impfung wieder.

Der Plan heute war eigentlich zu meiner Mutter zu fahren, weil diese Nudelsalat gemacht hat. Leider ist sowohl mein Neffe krank, als auch ich ein wenig knatschig wegen meiner Schmerzen. Also bleibe ich Zuhause, und der Plan ist, ein wenig am Laptop zu arbeiten und mich so wenig wie möglich zu bewegen. Vielleicht Herrn Hase von der Arbeit abholen und eine Runde im Wald spazieren gehen, ein wenig Yoga und das wars.
Leider ist es nämlich auch schwierig, eine Balance bei meinen Schmerzen zu finden. Im Bett liegen bleiben bedeutet unglaubliche Verspannungen und Rückenschmerzen, zu viel Bewegung bedeutet neue Muskelentzündungen und Kopfschmerzen. Also muss ich jedes mal bei einem solchen Flare-Up immer irgendwie eine Mitte finden, die natürlich auch immer anders ist als bei den vorigen Malen.

Ich widme mich jetzt wieder meinem Kakao mit Marshmallows den Herr Hase für mich gemacht hat, und starre vom Balkon. Das war mal wieder ein unglaublich einfallsreicher Post von mir. Nur Qualitäts-Schreiben hier. Kennt man ja.

j

today, i miss him extraordinarily. i miss his smile and the way he used to dance around goofily with me when we were both high. i miss his drunk stench, a mixture of alcohol, sweat and his deodorant, and the way he made me laugh when he fell over. i miss the way he lied to his parents about me and where we were. how he made my face hurt from all the grinning because his jokes were honestly something else.
a friendship so filled with romance, drugs, safety and toxic fumes over our heads, constantly.
i wish he could have seen the other side. i wish he could have found the guy he loved, the guy that made him feel a little less useless and more like he was at ease. i wish he could have seen me marry, i wish he could have been my best mate on that special day. his speech filled with slurred insiders, that i will understand yet blush furiously, because my mother does not know about my drugged up past. i wish he could have seen me cry tears of joy instead of breaking down in the employee’s bathroom the day he got buried without me, because i couldn’t look his parents in the eyes.
i feel like crying when writing this, and i feel like crying whenever i simply do so much as think of him. this is a wound that never, ever, had a chance to heal. i am only starting to treat it now, and it hurts too much to do it in big steps. this wound will ooze for years on end, and i will be okay with it. because it’s the only thing i have left of you.
you are missed, always.

#waswichtigist

Quelle: https://slackercountry.tumblr.com/post/111750845631

Ein kleiner Fleck Grün, inmitten der konservativen Kleinstadt. Erinnerungen blitzen auf, von sengender Sommerhitze mit Wassermelone, einer schattenspendenden Buche und sehr vielen Wasserschlachten. Wieder auf dem Gras zu stehen fühlt sich ein wenig an wie aufatmen. Hier haben wir uns alle im Sommer die Fußsohlen verbrannt, in dem kindlichen Gedanken zu beweisen, dass man hitzeresistent ist. Und hier haben wir gejubelt, als nach und nach nicht nur ein Trampolin sondern auch ein kleiner Pool auftachte, beides etwas worauf Eltern so schmerzlich langsam gespart haben. Im Winter hat dieser Fleck Grün schon ausgeschlagene Zähne gesehen. Nachmittags Schneeballschlachten, bis das Gesicht taub war und die halbe Nachbarschaft aus Eltern bestand, die nach ihren Kindern riefen; denn es wurde dunkel, und die Wanne war bereits mit heißem Wasser gefüllt. Schweißperlen, Bierflaschen, Tränen, mitternächtliche Gerangel die nicht selten blutig endeten. Hier, in der Straße mit den Nachbarskindern hat man tausend Leben gelebt. Der überfahrene erste Hund der Nachbarn. Diverse Partner. Die Erkenntnis, dass man glauben kann. Der Versuch, buddhistisch zu leben. Die geschwänzten Kirchgänge der Schule; stattdessen bei McDonalds sitzen und sich durch das Frühstücksmenü kauen. Als das Sich-Durchkauen plötzlich nur noch zu schwarzem Kaffee wurde. Und schwarzer Kaffee langsam wieder zu Essen und Lebensmut.
Erwachsenwerden bedeutet schätzen lernen; lächelnd zurückschauen, ohne ziehende Sehnsucht oder Schuldgefühle, weil man mehr hätte tun sollen. Um diesen Segen, diese Fassade, aufrecht zu erhalten. Nicht vergessen: Da komme ich her. Aber ich darf dort auch raus.

dying breath

and i’m sorry, i’m a little bit lost.

all i know is
i want to live close by the sea, in a tiny flat,
with the windows open at night to escape from the big emotions in my insufferably tiny ribcage.

and all i can promise you is, in a matter of fact,
nothing
because all i know i can do, is love you until my very last breath,
and devoting this breath to you means nothing in a shattered world like this.

Wie es geht

Quelle: https://wizardnem.tumblr.com/post/150268155373/needed-to-breathe

Ich krieche aus meinem Schweige-Loch hervor und verkünde hier mal einige kleinere Updates über mein Leben und wie es mir geht.
Vorweg: Es könnte besser sein. Vor einem Monat habe ich mich ein wenig von WordPress und anderem Internet-Gedönse distanziert, und das tat auch gut. Aber das ist natürlich nicht die Wurzel des Problems. An ebendiese Wurzel komme ich auch mit allen Bemühungen noch nicht heran, weder privat noch in der Therapie. Es bleibt zu hoffen, dass ich da einfach weiterhin kleine Schritte mache, so wie es gerade geschieht.

Ich hatte vor kurzer Zeit leider einen Rückfall, was Selbstverletzung anging. Seitdem bin ich wieder in engerem Kontakt mit meiner Therapeutin, schreibe regelmäßigere Emails und gebe ihr Updates. Nicht nur, weil sie mich explizit darum gebeten hat sondern auch, weil es mir eine gewisse Sicherheit gibt.
Ich erlaube mir normalerweise nicht, mich tatsächlich wegen etwas Akutem per Mail bei ihr zu melden. Zu groß ist die Angst, dass ich sie störe, sie von mir genervt sein könnte oder ich „falschen Alarm schlage“. Was ich mit diesem Rückfall allerdings gelernt habe – es gibt niemals falschen Alarm. Wenn ich mich bei ihr melde, und mich gerade deswegen nicht verletze, dann hat es gewirkt. Und auch wenn mein Hirn hin und her gerissen ist zwischen
„Ich will mehr“ und
„Ich möchte heilen“, versuche ich möglichst mit der zweiten Stimmung zu gehen.

Ich genieße dieses lange Wochenende sehr, denn für mich bedeutet es wirklich mehr als nur abschalten. Ich lasse mich ein wenig fallen, und versuche nicht konsequent die Flashbacks wegzustoßen und funktional zu sein. Ich muss es niemandem außer mir selbst recht machen – was auch genügt, meine Ansprüche an mich selbst sind weit über 100% in der Regel. Ein Grund weshalb es überhaupt zu einem Rückfall gekommen ist war, dass ich absolut nicht akzeptieren konnte, gerade mit Trauma Erinnerungen zu kämpfen. Umso härter hat es reingehauen, und umso mehr hat es mir den Boden unter den Füßen weggezogen, als diese Erinnerungen plötzlich mit voller Wucht auf mich zukamen, nach einem kleinen und normalerweise unbedeutendem Trigger. Seitdem versuche ich, aktiver wahrzunehmen, wie es mir gerade geht. Und zumindest herauszufinden, was ich bräuchte, um dann in Betracht zu ziehen, ob ich es mir gerade erlauben kann.

Die letzten Wochen habe ich nicht viel mehr getan als gearbeitet, mich in meiner Wohnung verbarrikadiert, mich dann letztendlich für längere Spaziergänge herausgezerrt und ich bin gelegentlich zu meinen Therapien getrottet. Ich habe endlich mein erstes Patch aufgenäht, und überlege die Jacke jetzt mit ein wenig Textilfarbe weiter zu verfeinern. Außerdem fange ich endlich bald meine Crust Pants an, möchte meinen Rucksack eventuell besticken, an dem Gitarren-Regal weiterarbeiten und in der Ergotherapie Neues ausprobieren. Generell stütze ich mich gerade viel auf das Erschaffen von Dingen, vorzugsweise im kreativen Rahmen.
Außerdem lese ich in letzter Zeit unglaublich gerne Horrorgeschichten, meistens scrolle ich dafür einfach durch r/nosleep oder diverse andere Horror-Threads auf Reddit. Da gibt es einige wirklich coole und individuelle Geschichten, die so einiges an Grusel zu bieten haben. Selbst schreiben kann ich nicht gut. Ich wollte bereits mehrere Gedichte und kurze Texte verfasst haben, aber nie ist wirklich etwas Gescheites dabei herausgekommen. Ich versuche es nicht zu erzwingen, weil das in der Regel bei mir nur zu noch mehr Frust führt.

Gestern habe ich wortwörtlich nur damit verbraacht, zu schlafen. Ich bin um 2 Uhr morgens ins Bett und habe bis 12 durchgeschlafen, dann meine Medikamente genommen und vielleicht eine Stunde Animal Crossing gezockt, bin wieder eingeschlafen und habe bis 5 Uhr nachmittags weitergeschlafen. Danach wurde dann auch mal „gefrühstückt“.
Heute war ich dafür endlich etwas wacher. Liste an Dingen geschrieben, die erledigt werden müssen (weil, mein Gott, sieht die Wohnung aus wie Scheiße…), geduscht und dann spontan mit dem aushaltbaren Familienteil übers Feld spazieren gegangen. Und den Mann gefoltert indem er seine ganzen toten oder am seidenen Faden hängenden Pflanzen aussortieren musste.
Irgendwie habe ich es dann auch geschafft, eine PDF für die Uni durchzulesen, und in einem stupiden Nebel Instagram durchzuscrollen – was so nicht eingeplant war, ups.

Wirklich positiv war heute: Sex. Meine Sub und ich hatten mal wieder ausgedehnte Zweisamkeit, und ich hab es voll und ganz ausgenutzt mich in alten und neuen Kinks zu üben und sie auszuleben. Es gibt nichts Schöneres für mich, als die Striemen von Floggern und Bissspuren auf meiner Sub zu sehen. Nach gut zwei Stunden waren wir beide dann aber auch sehr begnügt, und ich spürte, dass mit mehr Spielen meine chronischen Schmerzen auch schlimmer geworden wären. Also ließen wir es gut sein, eingiebiges Aneinanderkuscheln und Sich-Ganz-Doll-Lieb-Haben, Essen bestellen und ab an den Laptop, um noch eine Runde Left4Dead mit einer Freundin zu zocken. Da sowohl besagte Freundin durch die Vorbereitung auf ihre Prüfung, und ich durch die BDSM Session kurz davor, so braindead waren wie selten sonst, sind wir nicht mal durch die Hälfte der Kampagne gekommen, die wir uns ausgeguckt haben.
Nun gut, das kann ja alles morgen noch werden.

Ich hoffe euch geht es allen gut. Ich krieche jetzt unter die Bettdecke, begnüge mich noch eine Weile mit FailVideos oder nem Gameplay vom neuen Resi und schlummere dann auch mal brav weg.

Freddy, 16, von Beruf Chaot

Sprüche von nur einem Abend, an welchem Fréderic gefrontet hat um das Alltagsteam von Flashbacks zu entlasten:

„BRUDER ICH HAB JA BART!“

„Also ich will ja nichts sagen, aber so langsam tut mir der Arsch bissi weh.“

F: Versteh diesen Hype um berühmte Personen nicht.
A: Du trägst Gronkh Merch.
F: DER IST COOL NA UND?

„Für heudde Abend sind wir einfach WG Partner, WG Partner die miteinander kuscheln und verlobt sind aus steuerlichen Gründen, ok?“
(er ist asexuell sowie aromantisch, dementsprechend nicht in einer Beziehung mit meinem Mann)

„Gecockblocked wirst du von deiner männlichen F+ übrigens nur, wenn er auch wirklich mit seinem Schwanz auf ‚blockieren‘ klickt.“

„Warum haben eigentlich alle Motorradunfälle bei FailArmy was mit Russen zu tun, das ist doch ne Conspiracy alda.“

(nach minutenlanger Stille)
„Meinst du Kängurus haben Anarchisten in ihren Hirarchien? … Leben Kängurus nicht im Rudel? Haben die Hirarchien oder chillen die einfach?“

„Love you“
nachdem er realisiert hat, was er da gesagt hat: „Wadde mal… ew.“

„Mama“
F: Nein nicht Mama. Bro.
„Mama“
F: Nein nicht Mama! Bro!
„Mama“
F: ICH BIN KEINE MAMA, ICH BIN N KUMPEL OK!

„Entschuldige, kannst du bidde mal woanders aus deinem Sumpf aufsteigen und nicht direkt hinter mir.“

„Ich wünschte ‚Moin Mitnanne‘ wäre überall die standardisierte Begrüßung. Ich fühl das einfach auf einer tieferen Ebene, weißt du.“

Vermissen

Schließ die Augen, ignorier die Panik, und lass dich fallen. Atme. Atme durch, versuch dich zu erinnern was mit dem Geruch von leicht-schwüler Frühlingswärme verbunden ist. Spiele die Musik ab, die dich zurück bringt. Nicht bewegen. Deine Glieder sind sowieso zu schwer, nur mühsam hebt sich das eine Bein auf den Heizkörper des Busses. Dreh den Kopf nicht, bleib genau so, bleib genau wie du jetzt bist.
Spürst du, wie es fließt? Dein Blut, im Takt mit der Musik? Spürst du wie schwer deine Gliedmaßen sind, wie wenig Drang du hast, zu rennen? Lass die Augen geschlossen, dann kannst du sie sehen. Kannst das Stroboskoplicht erkennen, aus weiter Ferne bereits. Dort wo du nur grunzt, um morgens aus dem Zelt ein Lebenszeichen zu bringen. Dort wo du aufwachst zu Kippen und Bier, Schubkarren voll die Bereitstehen und auf ein Flunkyball-Match warten. Und es ist schwer, für dich, nicht nazugeben. Die angebotenen Zigaretten nicht anzunehmen, wo du dich doch so zuhause fühlst. Der kalte Rauchgestank von letzter Nacht, vermischt mit einer unfreiwilligen Bierdusche und dem Schweiß fremder Menschen.
Möchtest du hinein? In den Puls des Konzerts, in das schlagende Herz, dort wo Schlamm hochgewirbelt wird und das Gröhlen staubig klingt, weil sich Partikelreste des Bodens in deiner Kehle festsetzen und einen erdigen Geschmack auf der Zunge hinterlassen. Beweg dich hin, dort zu den Menschen, die du nicht kennst, denen du aber mehr vertraust als jemandem zuvor. Die sich schützend um dich stellen, wenn du fällst, bis du dich aufgerappelt hast und von ihnen abgeklopft wurdest, mit besorgten Blicken in den Gesichtern, das schiefe Grinsen auf Ewig eintätowiert. Es zieht dich dort hin, in die Masse, in die Anonymität des Moshpits und die Brutalität der realen Freude, der ungebändigten Liebe zur Band und zu den Menschen um dich herum. Atme ein, schrei dich aus, tanz dich wund, weine im Takt. Lass dich in die Arme eines Fremden fallen, dessen Bizeps schlammverschmiert dein Halt ist für die nächsten zwei Songs, bis du irgendwann wieder stark bist und das Gefühl hast, du kannst die ganze Welt erobern.
Nächster Halt; Ausstieg. Schließ die Augen, ignorier die Panik, lass dich fallen.