secrets

vortex

18 praying to jesus, hoping that he just let’s me in

„legst du eigentlich gleich auch mal den controller weg? du spielst sonst nie skate. du spielst sonst nie auf der playstation. das ist meine.“
ne, leg ich nicht.
„wegen der sache?“
ich trag mich da gerade im grunde selbst zu grabe.
„hm.“
wenn mans so sieht, schon. das war damals der ort, an dem ich einfach ich sein konnte. ich hab meine gedanken und gefühle irgendwie verworten können. und hatte eine community. und wir waren füreinander da, wenn auch manchmal mit den falschen mitteln. aber es war lebendig und es war ich. keine maske. nichts verstellt, nichts gelogen. einfach nur ich.“
„warum löschst du es dann?
es geht mir nicht ums löschen, ich hab den blog an sich schon lange auf dem laptop runtergeladen und gesichert. es geht mir um… das. das ganze. die hoffnung, die ich damit loslasse. dass das alles nochmal wiederbelebt wird. dass wir alle wieder zusammen finden und wir uns wie früher fühlen, und genauso denken, und uns kaputt machen und es uns spaß macht. und jeder ist miteinander da, niemand ist allein. das gefühl, dieses wohnzimmer wieder zu haben und jeder spricht einfach über das, was er will. den ort. ich lasse den gesamten ort los, die menschen, die kontakte, die sicherheit. es geht nicht ums löschen, es geht darum, dass das wirklich nie wieder passieren wird.
„bist du nicht immer derjenige, der ausspricht, dass damals alles recht toxisch war, und in erster linie autodestruktiv?“
ja. aber es war meins. da stecken beinahe zehn jahre meines lebens drin, meiner persönlichkeit, meiner vergangenheit. und ich vermisse es, ich vermisse, wie es damals war. ich vermisse die leute, ich vermisse so unendlich viele der leute, ich vermisse das gefühl einer großen WG, nur online. ich vermisse, und klammere mich daran, dass ich nur einfach weiter schreiben muss, einfach weiter in die leere schreien muss, und irgendwann kommen sie alle wieder zurück, und wir sind 15 und dumm und autodestruktiv und… kinder. ich habs immer gehofft, und ich hoffe es immernoch, und es schneidet mir ins fleisch als halte ich ein messer mit der scharfkantigen seite fest. und was passiert wenn man sich schneidet? es blutet. und wo blutet es hin? überall ins leben. in den alltag. in mein denken. in meine zukunftspläne und hoffnungen, meine therapieerfolge. wenn ich jetzt nicht loslasse, wenn ich jetzt wieder reinfalle dann… dann war das alles umsonst. das kann ich nicht zulassen. ich werde keine 15 mehr sein. ich muss das einsehen. ich werde generell nie mehr sein wie früher, ich kann das nicht vergessen machen, an das ich mich jetzt erinnere. ich kann die leute nicht wieder lebendig machen und ich kann meinen ex nicht ungetroffen machen. es ist schmerzhaft, sowas immer wieder aufs neue zu hoffen, und ich muss dafür nur einen blick auf meinen alten blog werfen. deshalb muss ich das löschen, und ich muss es jetzt tun.
„du hast den controller in die hand gelegt.“
ja, ich weiß. ich schreib das hier auf.
„wie damals?“

„ich hab recht oder? du hast auch angst, zu vergessen, wer du bist.“

secrets

Ich halte mich mit aller Kraft am heißen Tee fest, an der Tasse, die ich auf dem Sperrmüll gefunden habe, an der Couch, den Kissen in meinem Rücken, dem Schokoriegel den ich noch habe.
Aber ich hab halt einfach seit fünf Tagen Dauerblutungen, und Grippe, und alles ist kacke und Erinnerungen loslassen und Menschen gehen lassen ist schmerzhaft und eigentlich will ich mich an meinen Mann herankuscheln, die Nase zwischens Schlüsselbein stecken, in die Kuhle gleich in der Mitte, und weinen und weinen und weinen, bis ich leer bin, und bis die Blutungen aufgehört haben, und bis ich wieder Freude fühlen kann.

Allgemein

Die Luft riecht nach versteckten Zigaretten, Coca Cola und aufs Schuldach klettern nach dem Unterricht. Mein Kopf wummert, und hört nicht auf, egal wie viel ich versuche zu schlafen. Ich schlucke die dritte Ibu heute, und suche mich nach etwas um, was ich auch mit einer Grippe tun kann. Seit dem letzten Besuch habe ich die Lichterkette nicht mehr an die Couch angebracht, und kämpfe gerade nebenbei damit. Es ist meine Lieblingslichterkette. Sie erinnert mich ein wenig an das Licht in meinem Kinderzimmer damals, die magisch beruhigende Wirkung die davon ausging während ich mich durch Tumblr und Blogger scrollte, immer auf der Suche nach Gleichgesinnten, und bis zum Sonnenaufgang Realitätsflucht via Youtubevideos betrieben habe. Nach einigen Minuten gebe ich das Kämpfen mit der Lichterkette auf. Heute nicht, heute habe ich nicht genug Energie dafür. Eigentlich habe ich für nichts Energie, außer fürs Schlafen. Immer wieder blitzen Bruchstücke von Schultagen auf, die ich schon längst verloren geglaubt habe. Es ist komisch, wenn Erinnerungen hochkommen, die prinzipiell nicht gleich schlecht sind. Es ist lange her, dass ich mich aktiv an irgendetwas das erste Mal erinnert habe, das nicht mein Trauma betrifft. Es fühlt sich friedlich an. Da schwingt ein ganz schön großer Tropfen Sehnsucht mit, aber es ist im Großen und Ganzen… einfach friedlich. Es kehrt Ruhe ein, manchmal sogar selbst in die Erinnerungen an den Ex. An den Arzt. An die Kindheit und die Dinge, die weitaus weniger optimal liefen. Die Flashbacks werden weniger heftig, aushaltbarer, ich fühle mich weniger einsam, wenn ich mich nachts an Herrn Hase ankuschele. Es gibt so Vieles, oft einfach Kleinigkeiten, das sich verändert, und ich kann es nicht alles in Posts verfassen, denn ich bemerke es oftmals selbst nicht richtig.

Es sind viele Texte, lang und kurz, die mir im Kopf herumschwirren und verlangen, rausgelassen zu werden. Aber ich hab durch den Grippeschleier keine Energie, die ich aufbringen könnte, um sie aufzuschreiben.

Allgemein

Der Sommer liegt in den letzten Zügen – zumindest habe ich das Gefühl. Und langsam kehrt die Sehnsucht zurück, die ich im Herbst spüre, aber auch die Kreativität und Energie. Beides hält sich im Moment in Grenzen, da es mich fies erwischt hat (und Myokard auch regelmäßig halb sterbend neben mir liegt), was mich sogar dazu gebracht hat, mich heute krankzumelden. Muss ja nicht sein, dass ich jeden im Kleinbetrieb mit meiner Seuche anstecke.
Nun gibt es heute jedenfalls erstmal sehr stumpfe Unterhaltung in Form von Pan’s alten Streams (My Boyfriend – He loves Me, He loves Me not kann man sich nicht ernsthaft geben, aber hey, ich habs mir dennoch vorgenommen), Döner der sogar GELIEFERT WIRD und Tee. Sehr. Viel. Tee.

Ich habe beunruhigend viele Pläne, Ziele und Wünsche für diesen Herbst. Obwohl, beunruhigend ist nicht das richtige Wort. Es ist nur der erste Herbst seit meiner Kindheit, der sich irgendwie… weniger schwermütig anfühlt. Weniger traurig. Ich bin nicht mehr ständig suizidal oder depressiv. Das macht dann wohl doch einen himmelweiten Unterschied.
In den folgenden 2-3 Wochen habe ich eine Therapiepause. Wir sind an dem Punkt angelangt, an dem ich erst einmal alleine arbeiten und herausfinden muss, wie wir weitermachen. Ich muss mich und meinen Kopf sortieren, bevor ich wieder etwas Gescheites in Worte fassen kann. Ich habe keine Angst davor. Ich kann sie jederzeit per E-Mail erreichen, und es war auch meine Idee eine Pause einzulegen. Bei den meisten Problemen kann sie mir nicht helfen, und da sich gerade innerhalb des Systems unglaublich viel verändert, ist alles schrecklich unsortiert. Dafür brauche ich immer erst einmal eine Weile.

Hm. Kann mein Döner bitte gleich mal kommen? Mein Magen knurrt.

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„i would very much like not to exist“

Langsam aber sicher wird mir das Ausmaß der letzten Tage erst richtig bewusst. Zwei Wochen pures Chaos hinterlässt seine Spuren nicht nur an der Psyche und dem Körper. Mein Blick schweift über achtlos hingeworfene Kleidungsstücke, Kartons von Online-Bestellungen an die ich mich gerade noch so erinnere, schmutziges Geschirr auf jeder freien Ablage.
Am liebsten würde ich wieder schlafen gehen. Die Decke über den Kopf ziehen und hoffen, dass kleine Heinzelmännchen meine Wohnung für mich aufräumen, wenn ich ihnen vor meinem Schlaf vielleicht noch ein paar Kekse rausstelle. Aber ich weiß, dass es keine Heinzelmännchen gibt, gab es nie, und ich weiß, dass ich Sonntage nicht wegschlafen kann, denn ich habe es oft genug versucht, und es schien den Fluch von Sonntagen nur zu verstärken. Also versuche ich die übliche Sonntagsdepression mit Kaffee abzuwehren, aber das gibt mir nur Sodbrennen, und danach finde ich mich grummelnd und demotiviert auf dem Bett wieder, die Arme verschränkt, Brauen motzig zusammengezogen. Herr Hase ist duschen. Ich glaube, ich habe Hunger.

Herr Hase ist nicht mehr duschen und stattdessen genervt von mir, ich kann es spüren. Ich bin auch genervt von mir. Meine To-Do Liste liegt neben mir, und ich versuche standhaft alles darauf zu ignorieren, wofür ich mich aus dem Bett bewegen müsste. Ich versuche nicht daran zu denken, dass ich heute einen Ausflug in den Wald geplant habe, damit ich endlich mal wieder etwas anderes als hässliche Betonblöcke sehe. Mittlerweile habe ich mir erfolgreich eingeredet, dass Herr Hase mich hasst, weil ich Sonntage faul und depressiv verbringe und nicht einmal weiß wieso. Anstatt in Panik zu verfallen, lenke ich mich damit ab, weitere Horrorgeschichten zu lesen.
Immerhin muss ich dafür nicht aus dem Bett. Auch, wenn ich die Geschichte, die ich zu Ende lesen wollte, bereits von meiner To-Do Liste streichen konnte. Ich mache mir vor, dass es zum Kochen noch zu früh, und zum Spülen bereits zu spät ist. Beides muss ich trotzdem heute noch erledigen. Vielleicht schreibe ich diesen Post einfach extra lang, damit ich es möglichst lang herauszögern kann. Wahrscheinlich sollte ich das Fenster aufmachen und frische Luft hereinlassen.

Vielleicht sollte ich meine Augenbrauen bleichen. Das wär doch mal was.
Leider hab ich keine Blondierung und generell muss ich stattdessen eigentlich:
– aufräumen
– spülen
– kochen
– in den wald
– bilder bearbeiten

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plums

how did i get here? standing at the kitchen counter, not knowing who i am. cutting open plums and feeling like the stones i extract. there’s water and plum juice dripping from my elbow and all i can hope is i am not who i feared to be.

tonight i dreamed of my past, and i revisited it as my grown-up self. talked to teachers and mothers and fathers, curled up in children’s beds, none of them mine but all of them strangely familiar. i know it’s been a visit of my past, because i can feel the aching in my chest, the missing of simpler times after opening my eyes.

your eye was black and blue like the plums i am cutting and all i can hope is you’re okay.
all i can hope is i am who i promised you to be.

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identity crisis

„How does your head feel now?“

„Lighter.“

„That’s a positive thing, right?“

„I guess.“

„You’re gonna find yourself. You’re more than just the mask you are wearing, and you’ll find out, who you are sooner or later.“

„I’ve been trying to for years now.“

„Have you really though? Or have you only stabilized yourself until you could function unsuspiciously again and then thrown your goals over board to please others?“

„It scares me, when others are not pleased.“

„I know.“

„Can we just hold hands?“

„Of course.“

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´hermit crab

Mein Einsiedler-Krebs-Gehirn weint. Bittere Tränen, und ich kann es verstehen. Vergeblich versuche ich, es in den Arm zu nehmen und zu beruhigen. Aber es war zu viel in diesem Monat, und das ist auch okay. Mein Mann fragt mich heute, ob ich mit ihm Pfandflaschen wegbringen will, aber bei dem bloßen Gedanken auf mehrere Menschen auf einmal zu treffen, eröffnet ein schwarzes Loch vor mir, und ich drohe hineinzufallen. Also schüttele ich ungeniert den Kopf und lehne mich an ihn, um einen Teil des hart erkämpften Friedens zurückzuerlangen. Einige Zeit später schlafe ich bei dem Versuch, diesen Post zu schreiben, auf der Couch ein. Der Kopf arbeitet vor sich hin, im Hintergrund läuft viel Erkennen und Einsortieren von Therapie-Erfolgen ab, im Vordergrund arbeitet der Sozialteil, weil ich immer irgendwie präsent sein muss.
Wenn ich mir meine To Do Liste von heute ansehe, ist es eigentlich ziemlich utopisch, das alles zu machen, was ich vorhabe. Nicht, weil es Sozialsein beinhaltet, sondern weil mein Körper so dermaßen erschöpft ist, dass ich nicht mal schmerzfrei den Arm heben kann. Ich versuche das einzustampfen, was nicht so wichtig ist, und verteile zwischenzeitlich Aufgaben sogar ganz mutig an meinen Mann. Nein ich werde nicht spontan Feuer fangen, wenn ich ihm sage, dass er mir beim Spülen helfen soll.

Von draußen schleicht sich regnerische Herbstluft hinein, und so sehr es mich auch in die Natur zieht, umso dringender brauche ich gerade meine kleine Höhle, meine Wohnung, da wo ich mich wirklich zu 100% sicher fühle. Ich könnte rausgehen, ich könnte mit dem Hund gehen, ich könnte sogar stundenlang ziellos umherwandern und fotografieren – aber der Drang, mich einzuigeln gewinnt, und ich sehe nichts verwerfliches daran, nachdem ich mich einen ganzen Monat lang immer wieder bis aufs Äußerste aus meiner Komfortzone geschubst habe.
Ich bin müde. Ich möchte am Montag nicht arbeiten gehen und wach wirken. Ich möchte mich einkugeln, Bücher lesen, stundenlang Videospiele spielen und tagelang nicht sprechen.
Gleichzeitig möchte ich mit dem Fuß aufstampfen, weil ich mal wieder nicht das bin, was ich sein will. Dabei weiß ich nicht mal, wann ich mir in den Kopf gesetzt habe, dass eine extrovertierte, gesunde, stets glückliche udn hilfsbereite Version von mir besser ist als das, was ich bin. Ich verbringe gerne Zeit alleine. Ich treffe mich gerne mit Menschen nur um dann mit ihnen in einem Raum zu sitzen, zusammen zu lesen oder einfach zu arbeiten und zu schweigen. Ich mag es, wenn man sich einfach gegenseitig irgendwelche Memes zeigt und dann weiter nebeneinander existiert. Ich mag es, drinnen zu sein und zu lesen oder zu zocken und sich zu verkriechen, genauso wie ich es mag draußen in der Natur zu sein. Ich bin nicht gerne da, wo es laut und voll ist, ich bin gern einfach mit mir selbst allein.

secrets

it’s alright, come inside, and talk to me.

(Das hier ist geheim, also nicht meinem Mann erzählen ja, aber da sind gerade so unendlich viele Gefühle, die so unendlich durcheinander sind, dass ich nicht weiß wo oben und unten ist. Und ich weiß nicht, wer ich bin, oder was, und was ich werden möchte, und ich glaube ich falle, aber ich habe keine Angst. Und ich habe keine Angst vor meinem Geburtstag, und ich wünsche mir tatsächlich mal wieder etwas, ja, ich erlaube mir, Geschenkwünsche zu haben, und feiern zu wollen, und leben zu wollen. Und ich habe keine Angst mehr, wenn ich rausgehe, ich rieche nicht Gefahr, ich rieche frische Luft, und ich sehe Chancen in jeder kleinen Ecke aber ich kann sie noch nicht greifen und das ist okay, es ist okay, ich bin okay. Aber psst. Nicht weitersagen.)

Anxiety, tossing, turning in your sleep
Even if you run away, you still see them in your dreams

It’s so dark tonight, but you’ll survive, certainly
It’s alright, come inside, and talk to me //
We can talk here on the floor
On the phone, if you prefer
I’ll be here until you’re okay
Let your words release your pain
You and I will share the weight
Growing stronger day by day //
It’s so dark outside tonight
Build a fire warm and bright
And the wind, it howls and bites
Bite it back with all your might

Talk to me – Cavetown

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one night stand

Die Bar ist verraucht, dreckig, und doch irgendwie anders als der Rest der Clubs in denen ich während der Nacht bereits unterwegs war. Mein Bier ist schal, er sitzt in der Ecke und grinst sich durch geschnorrte Zigaretten und spendierte Drinks. Es ist die Zeit in der Nacht, in der es langsam ruhiger wird. Menschen strömen aus den Clubs und knutschen auf der Straße weiter oder fahren, allein oder zusammen, nach Hause.
Ich will nicht nach Hause. Und weil ich nicht nach Hause will, und weil er sich genauso sehr durchschnorrt wie ich auch, will ich zu ihm. Im zwielichtigen Licht der Bar erkenne ich nicht viel von ihm, aber es reicht mir, um auszumachen, dass er eine Nacht „wert“ ist. Also setze ich mich mit dem elegantesten Hüftschwung den ich habe in Bewegung, atme tief ein, und setze mich mit zittrigen Händen zu ihm in seine Ecke. Er hebt verwirrt die Augenbrauen. Ich kratze mein letztes Geld zusammen und bestelle uns beiden einen Whiskey. Als ich damit wiederkomme, sehe ich, wie seine Augen aufflammen.
Einfache Mathematik. Typen wie er mögen meistens Whiskey.

Eine halbe Stunde später küsse ich ihn in der Bahn auf dem Weg in sein Schlafzimmer. Ich spüre, dass er hart ist. Aber noch viel mehr spüre ich, dass ich ihn wirklich will. Und ehrlich? Das allein ist schon ein ziemliches Kompliment, zur Zeit meines „Achtlos durch die Weltgeschichte“-Vögelns. Ich setze mich auf seinen Schoß und spiele ein wenig mit ihm, bevor wir aussteigen und er vor lauter Aufregung (oder vielleicht Geilheit?) beinahe über seine Füße stolpert. Ich grinse verführerisch.
Es dauert nicht lang, bevor wir in seinem Bett landen. Mein Gefühl hat mich nicht getäuscht, und er ist ehrlich wirklich gut im Bett. Er fühlt, während er seinen Spaß hat, ist nicht einfach auf Autopilot. Er passt sich mir an, lässt mich führen, übernimmt, wenn er an der Reihe ist, und zwingt mich zu nichts. Am Ende der ersten Runde sind wir beide verschwitzt, müde, und unendlich zufrieden.
„Hm.“, macht er, bevor er sich zu mir dreht und mich angrinst.
„Hm?“, mache ich zurück.
„Das war wirklich schön.“
Ich stolpere über seine Offenheit, nicke aber und gebe ihm Bestätigung, indem ich mich an die blonden Haare auf seiner Brust kuschele. Es war wirklich schön. Und ich fühle mich sicher, in seinen Armen. Einen Moment lang überlege ich, schon duschen zu gehen, da hält er mir schon eine wirklich schlecht künstlerisch gedrehte Zigarette hin.
„Das ist echt klischeehaft.“ murmele ich durch den Filter hindurch. Er boxt mir gegen die nackte Schulter.
„Sagt derjenige, der mich einfach in einer Bar aufgesammelt hat.“
„Stimmt. Da wars irgendwie dunkler.“
„Aua.“
„Spaß. Du bist wirklich hübsch.“, sage ich ihm ehrlich. Er grinst.
„Du auch.“
„Du bist besoffen.“
„Garnicht, du hast mich nüchtern gevögelt.“

Seine Wohnung ist eigentlich wirklich klein, aber ich verliebe mich in das Licht. Der Mond scheint durch die Fenster, und das Rollo in der Küche wirft Muster. Wir trinken ein Bier, rauchen weiter und sprechen über Gott und die Welt. Noch nie habe ich so viel mit einem One Night Stand geredet.
„Wann kommt hier eigentlich nachts ne Bahn?“
„Bist du lebensmüde? Nachts noch durch die Gegend fahren, und das hier?“
Ironischerweise bin ich genau hier zu oft dank meinem Ex gewesen, ich könnte ebenfalls auf eine Bahnfahrt mitten in der Nacht verzichten, denke ich. Aber bei ihm schlafen ist ein Bruch meiner Regeln, eigentlich. Er versucht weiter, mich zu überreden. Schulterzuckend wende ich mich von meinen Prinzipien ab und stimme zu, zumindest zu warten bis es hell geworden ist.
„Na dann haben wir ja Zeit für Runde zwei.“, sage ich sehr direkt.
Ich traue seinem Küchentisch nicht, und wir beide haben keine Lust mehr aufs Bett, also gehen wir in die Dusche. Auf meinem Arsch bilden sich langsam blaue Flecke, und ich bin glücklich. Es fühlt sich ein wenig an, als sei ich high, nur ohne den unkontrollierten Rausch, den ich sonst hatte. Meine Knie sind rot, als ich ihm einen blase, irgendwas hab ich mir in meinem Oberschenkel gezerrt, sein Rücken ist komplett zerkratzt und er hat sich die Lippe blutig gebissen. Ich küsse ihn, ein weiterer Regelbruch. Wir landen klatschnass in seinem Bett, und ich wickle mich in einen kuscheligen Bademantel ein. Er riecht gut, und ich mag es, dass ich jetzt auch nach ihm rieche.
Wir reden noch lange über meinen Körper, wie ich dazu kam, mich operieren zu lassen, was es mir gab, und welchen Alkohol er am liebsten trinkt. Er erzählt mir von seinem Mitbewohner, der Anfang des Jahres ausgezogen ist, und dass die Beiden auf Matratzen auf der Erde geschlafen haben. Ich erzähle ihm davon, was mir damals so als FSJler auf der Geschlossenen unter die Augen gekommen ist und er hört fasziniert zu und egal über welches Thema wir reden er streicht streicht streicht mir über den Rücken und ich merke, wie sich in meinem Bauch eine gefährliche Wärme ausbreitet.
„Bist du zu deinen One Night Stands immer so nett?“, frage ich, nur um vorsichtshalber nochmal klarzumachen, dass da nicht mehr läuft. Wahrscheinlich gilt das Klarmachen mehr meinem wohlig warmen Bauch und dem flauschigen Gefühl in meinem Kopf, als dem Typen der seit Stunden neben mir liegt und nicht aufhört zu rauchen.
„Nur zu den interessanten.“
Ich lache auf, und erschrecke mich ein wenig davor, wie kehlig es klingt. Gleich darauf wird es sowieso in den Nebelschwaden seines Zigarettenrauchs verschluckt und ich entschließe mich, von nun an meine Augen geschlossen zu halten. Ob sie wegen des ganzen Rauchs brennen, oder wegen dem fehlenden Schlaf, weiß ich nicht.

Als ich wenige Stunden später aufwache, riecht es nach Pfannkuchenfett und Staub. Verwirrt sehe ich mich um, und brauche viel zu lange, um zu realisieren, dass ich nicht zuhause bin. Ich bin wund. Aber sowasvon. Keine Überraschung, nach dem ganzen Rumvögeln gestern.
„Ich hab Pancakes gemacht.“
„What?“
Ich bin ernsthaft verwirrt.
„Ich will dich nicht mit leerem Magen gehen lassen. Ich fick vielleicht gerne, aber ich bin kein Arschloch.“
Er grinst mich aus verschlafenen Augen an. Ich grinse zurück. Irgendwan winde ich mich aus den Millionen Decken, die er in seinem Bett hat (seine Fenster sind nicht richtig abgedichtet – natürlich nicht) und ziehe mir mit verkaterten Bewegungen meine Hose an. Er verabschiedet sich von mir mit einem Zehn-Euro-Schein („Du hast gestern in der Dusche gesagt, dass das der beste Fick war, für den du je schwarz gefahren bist. Kauf dir’n Ticket.“).
„Danke. Wirklich.“, sage ich.
„Wofür?“
„Für’s zeigen, dass es noch Menschen gibt die gerne ficken, und eben keine Arschlöcher sind.“